Prophylaxe – Vorbeugung
Hochrisikopatienten
Krebspatienten haben z.B. ein stark erhöhtes Risiko für invasive Pilzinfektionen, wenn das Immunsystem durch Chemotherapie gezielt geschwächt wird. Die Infektionen treten besonders häufig im Zusammenhang mit Leukämien oder Lymphomen auf, wenn zusätzlich mindestens einer der folgenden Risikofaktoren vorliegt:
- anhaltende Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen (so genannte Neutropenie) unter Chemotherapie – Anzeichen für ein geschwächtes Immunsystem
- Langandauernde immunsuppressive (das Immunsystem unterdrückende) Therapie, z.B. nach Knochenmark- und Stammzelltransplantation
- Abstoßungsreaktion eines transplantierten Spenderorgans gegen den Empfängerorganismus (Graft-versus-Host-Disease)
- zusätzliche Virusinfektion
Infektionen verhindern statt therapieren
Invasive Pilzinfektionen werden zunehmend durch
Aspergillus-Arten hervorgerufen und sind heute eine Haupttodesursache bei diesen Hochrisikopatienten. Aufgrund der steigenden Zahl invasiver Pilzinfektionen, der in der Regel schwierigen und daher späten Diagnose, der damit verbundenen schwierigen Behandlung und vor allem aufgrund der hohen Sterblichkeit ist es sinnvoll zu versuchen, eine Infektion bei den ohnehin geschwächten Patienten von vorneherein zu verhindern. In Fachkreisen spricht man bei diesem Ansatz auch von antimykotischer
Prophylaxe.
Ziel der prophylaktischen Gabe von Pilzmedikamenten (Antimykotika) ist es, das Risiko für eine
Invasive Mykose bei den Patienten zu verringern und somit die auf diesen Infektionen beruhende hohe Sterblichkeit für die Patienten zu reduzieren. Ein für die Prophylaxe geeignetes Medikament sollte oral (durch den Mund) eingenommen werden können, ein breites Wirkspektrum gegen viele Pilzarten umfassen und eine gute Verträglichkeit zeigen.
Im Gegensatz zu Patienten mit Tumoren des Blutsystems ist die antimykotische Prophylaxe bei Patienten mit soliden Tumoren nicht in diesem Maße notwendig, da hier die Chemotherapie nicht zu einer solch ausgeprägten Beeinträchtigung des Immunsystems führt und daher die Wahrscheinlichkeit für invasive Mykosen geringer ist.